Am 29. Dezember 2014 verstarb im Alter von 84 Jahren der gebürtige Schlesier Heinz Koehler.

Vielen Mündenern war er vom Stadtbild her bekannt als der radelnde Mann mit der schwarzen Baskenmütze. In den Sommermonaten sah man ihn darüber hinaus im Wasser des Hochbads regelmäßig seine Bahnen ziehen.

Weitaus bekannter jedoch war er als langjähriger Konrektor der Mündener Hauptschule. Generationen von Schülern kamen in den Genuss seines mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts. Auch heute noch reden sie, darauf angesprochen, mit Hochachtung von ihm. Eine weitere, wenn nicht gar größte Lebensleistung Heinz Koehlers dürfte indes sein musikalisches Wirken betreffen. 1951 gründete er mit einer Handvoll junger Musiker das Mündener Jugendorchester, 1963 das Kammerorchester und 1964 schließlich den Jungen Konzertchor. Das Logo und Erkennungszeichen dieser Ensembles wurde „JOM“.

In den Fünfzigerjahren war nicht vorauszusehen, welche erfolgreiche Entwicklung damals ihren Anfang genommen hatte.

Die musikalischen Herausforderungen, denen er sich mit seinen Musikern stellte, wurden von Jahr zu Jahr größer. 1968 verpflichtete Koehler zum ersten Mal auch professionelle Solisten für seine Konzerte, eine Praxis, die sich bewährte und beibehalten wurde.

Zug um Zug setzte er neben den eher weniger bekannten, weltlichen Stücken nahezu alle großen Werke der Musikliteratur auf das Programm von „JOM“.

Mehr als 30 Konzertfahrten wurden mit ihm unternommen, darunter allein 16 in das europäische Ausland. Höhepunkt war dabei zweifellos 1991 ein Auftritt in der Kathedrale von „Notre Dame“ in Paris vor mehr als 4000 begeisterten Zuhörern.

Wie viele Konzerte Koehler für das heimische Publikum insgesamt geleitet hat, ließe sich anhand der Chor- und Orchesterchronik ermitteln, doch wie viele Partituren er studiert hat, wie viele Proben er geleitet, wie viele Telefonate er für seine Musik(er) geführt hat, wie viele Probenpläne und Besetzungslisten er geschrieben hat, lässt sich nicht nachrechnen.

In annähernd 60 Jahren hat er es bis zu seinem Ausscheiden als musikalischer Leiter immer wieder geschafft, unzählige Menschen sowohl mitzureißen als auch zu motivieren. Neben ihrer Musikalität haben sie, gemeinsam mit ihm, Zeit, Organisationstalent, Fleiß und Begeisterungsfähigkeit in die Arbeit mit der und für die Musik eingebracht. Legendär sind bei den früheren Mitgliedern seine markigen Sprüche während der Proben. Unbeabsichtigt wurde er durch sein Schaffen auch manchmal sogar zum Ehestifter.

Die von ihm energisch eingeforderte Disziplin, Sorgfalt, Genauigkeit und präzise Vorbereitungsarbeit brachte ihm die hohe Wertschätzung durch seine Musiker ein. Sie waren zudem Voraussetzungen für die stete hohe Qualität und den anhaltenden Erfolg seiner Ensembles.

Wie nachhaltig Koehlers Wirken war, zeigt sich auch daran, dass aus seinem Chor bzw. Orchester erfolgreiche Profimusiker hervorgingen.

Besondere Anerkennung für seine herausragenden Verdienste im kulturellen Geschehen unserer Stadt sowie dem Einsatz der Musik als völkerverbindendes Element wurde ihm mehrfach gezollt. 1979 bekam er den „Paul-Dierichs-Preis“ verliehen, 1982 die Ehrenplakette der Stadt Münden, 1990 das „Bundesverdienstkreuz am Bande“ und 1994 erhielt er während einer Konzertfahrt nach Belgien den „Ritterorden des belgischen Königs“.

Vom Dirigieren und der wöchentlichen Probenarbeit hatte sich Koehler im Jahr 2002 zurückgezogen, doch mit seinem jahrzehntelangen Schaffen hinterließ er wie kaum ein anderer seine Spuren im kulturellen Leben unserer Stadt.

 

Edith Bonnemann-Rohr


 

 

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