Überblick über die Geschichte von JOM und Kantorei St. Blasius

 

 

Erhalten gebliebene Programmzettel sind Beleg dafür, dass in der Mündener Blasiuskirche schon im 19. Jahrhundert Konzerte eines dort bestehenden Kirchenchores stattfanden.

Verantwortlich für  Kirchenmusik war ein Kantor, der zumeist auch das Amt des Organisten ausübte. Schullehrer und Kantor waren bis nach 1945 häufig identisch.

Als sich nach dem Ende des 2. Weltkrieges das Gemeindeleben in St. Blasius langsam wieder zu normalisieren begann, gehörte zu diesem Wiederaufbau auch das Aufleben des Chores.

Dessen Leitung übernahm der Realschullehrer Max Seidel, und am ersten Advent 1947 dirigierte er zum ersten Mal.

45 Sänger und 12 Instrumentalisten bildeten das feste Gerüst dieses Ensembles. Später wurde es nicht selten erweitert durch das Mitwirken von Mitgliedern des Mündener Jugendorchesters.

Aus dem damaligen Kirchenchor wurde schließlich 1959 die „Kantorei St. Blasius“.

Als Seidel erkrankte, wurde der spätere Konrektor der Grundschule Am Plan, Georg Franke, Interimschorleiter.

Nach Seidels Tod wurde Andreas Lehmann 1968 dessen Nachfolger. Er wurde in seiner Funktion der erste Kirchenmusikdirektor an St. Blasius. Unter ihm wurde u.a. die Kurrende- Jugendkantorei- ins Leben gerufen.

Arwed Henking folgte ihm von 1973 an. Dessen Amtsnachfolger wurde 1979 für 26 Jahre der KMD Jörn Tegtmeyer.

In der Zwischenzeit leitet seit 2005 der KMD Detlef Renneberg die Kantorei.

Auch unter ihm gilt wie bei seinen Vorgängern, dass eine Kirchengemeinde und ein Gottesdienst ohne Musik nicht vorstellbar ist.

Diese Musik reicht vom Gemeindelied und seiner Mitgestaltung bis hin zu den großen Formen der Vokal- und Instrumentalmusik.

In den langen Jahren ihres Bestehens hat sich die Kantorei der Pflege der musikalischen Hinterlassenschaft der 2000 Jahre alten christlichen Kultur verschrieben, auch wenn sich die Arbeit eines mittlerweile sehr großen Klangkörpers im wesentlichen auf die Musik der letzten fünf Jahrhunderte beschränken muss.

Durch sie werden auch viele derjenigen Menschen erreicht, die sonst dem kirchlichen Leben gegenüber eher distanziert gegenüberstehen.

Zugleich mit der Kantorei St. Blasius verbinden nicht wenige Musikliebhaber auch die Bursfelder Klosterkirche.

Seit 1973 gehören die dortigen Sommerkonzerte, eine Konzertreihe des Mündener Kulturrings, zu den jährlich wiederkehrenden Höhepunkten des kulturellen Lebens unserer Region und werden weit darüber hinaus geschätzt.

Für diese Veranstaltungen werden Künstler engagiert, die hohe Qualität garantieren und in den Programmen Musik aus unterschiedlichen Zeiten und mit den verschiedensten Instrumenten anbieten.

Nicht ohne Grund verzeichnet das Eröffnungskonzert am Himmelfahrtstag mit der Kantorei St. Blasius und wechselnden Solisten die höchste Besucherzahl des jeweiligen Bursfelder Konzertsommers.

Seine inhaltliche Ausrichtung obliegt dem Leiter der Kantorei.

In der über 900jährigen Geschichte der Klosterkirche erklang in ihren Räumen alte wie moderne Musik, von der Gotik und Renaissance bis zum Barock und der Romantik, von Bach bis hin zu Orff.

Zuletzt erscholl von Carl Ditters von Dittersdorf „Regina Coeli“ und Missa solemnis in C“.

Im Wechsel zwischen Buß- und Bettag und Advent  erfolgt in der Mutterkirche der zweite der jährlichen großen Auftritte der Kantorei.

Zu hören war u.a. das „Weihnachtsoratorium“ von Bach, Teil 1-3, bzw. Teil 4-6, oder auch das „Oratorio de Noël“ von Saint-Saëns.

Die Kritik in der HNA sprach nach den verschiedentlichen Auftritten z.B. von einer „…wohltuenden Alters- und Temperamentsmischung“, ein anderes Mal von einer „…präzisen Aufführung voller Spannung“ oder von einem „… eindringlich schönen Konzert“.

„Dem  Konzertbesucher wurde ein Klangergebnis beschert, wie es …selten zu hören sein dürfte“, wurde an anderer Stelle geschrieben.

Über ihren kirchenmusikalischen Auftrag hinaus lassen die Musiker der Kantorei jedoch Gelegenheiten zu weltlichem Gesang nicht aus.

Und so fanden neben vielen Konzerten in den Nachbarkirchen auch immer wieder Konzerte in anderen als kirchlichen Räumen statt, wie z.B. im Mündener Rathaus oder dem heimischen Welfenschloss.

 Im Rahmen eines Austausches mit einem schwedischen Chor führte eine der Auslandsfahrten die Musiker auch nach Schweden. Jährlich stattfindende Chorfreizeiten in wechselnden Städten haben zum Ziel,

das menschliche und das musikalische Miteinander zu stärken und zu festigen.

Und so konnten die vielen Mitglieder in den mehr als 60 Jahren des Bestehens der Kantorei durch ihre Musik und auch ihr organisatorisches Mitwirken dazu beitragen, dass die Kantorei St. Blasius in unserer Stadt einen wichtigen Kulturbeitrag leisten konnte und darüber hinaus eine guten Ruf hat.

 

Im Jahr 1951 rief ein junger Mann namens Heinz Koehler Jugendliche unserer Stadt zu gemeinsamem Musizieren auf.

„In aller Stille hatten sich acht Jungen und Mädchen zwischen 12 und 20 Jahren aus den verschiedenen Jugendgruppen bei Frau Musica gemeldet, um sich unter der Führung eines jungen Idealisten, Heinz Koehler, in ihren Mußestunden zu einem Jugendringorchester zusammenzufinden und gemeinsam zu musizieren.“ So las man es damals in der Zeitung….und zehn Jahre später:“ Man kann nur hoffen, dass diese Arbeit wächst und reift, und dass diese Gemeinschaft sich untereinander die Treue hält“.

Damals war nicht vorauszusehen, welche erfolgreiche Entwicklung ihren Anfang genommen hatte.

Die musikalischen Herausforderungen, denen sich die jungen Musiker stellten, wurden schon im Laufe der ersten Jahre immer größer.

Erstmalig 1961 trat ein Chor aus Schülern der beiden Gymnasien mit dem Orchester gemeinsam auf. Solist war ein junger Musiklehrer des Lyzeums, Gerhard Bothe.

Wiederum zwei Jahre später wurde als selbstständige Einrichtung das Kammerorchester aufgestellt, und aus dem Jugendchor, ursprünglich nur für eine Aufführung gebildet, wurde der spätere „Junge Konzertchor“.

Professionelle Solisten wurden zum ersten Mal 1968 verpflichtet, eine Praxis, die sich bewährte und folglich beibehalten wurde.

Mittlerweile standen nahezu alle großen Werke der Musikliteratur auf dem Programm von JOM und unzählige Auftritte vor dem heimischen Publikum wurden absolviert.

Im kirchlichen Raum standen „geistliche Klänge“ auf dem Programm. Im Rittersaal z.B., beim jährlichen Frühjahrskonzert, die eher „weltliche Musik“ wie Volkslieder, Gassenhauer, Filmmusiken, Jazziges o.ä. .

Für einen 1995 ausgestrahlten TV-Spot in der ARD- Sendereihe „Kein schöner Land“ standen  über 90 Sänger des Jungen Konzertchores in der Klosterkirche Corvey vor der Kamera.

Mehr als 30 Konzertreisen wurden unternommen, davon allein 16 in das europäische Ausland.

Unter ihnen hat diejenige aus dem Jahr 1991 die Mitwirkenden am nachhaltigsten beeindruckt:

In der Kirche „Notre Dame de Paris“ gestalteten sie den traditionellen Pfingstgottesdienst und gaben zudem am Abend ein großes Konzert.

4000 begeisterte Zuhörer in der Kirche und annähernd 5000 auf dem Vorplatz machten diese beiden Aufführungen zu einem unübertroffenen, unvergesslichen Erlebnis.

Gemeinsame Wochenendfahrten und Sommerfreizeiten hatten zum Ziel, das musikalische Können insbesondere der jüngeren Musiker zu fördern und zu vervollkommnen.

Und so wurde aus manchem jungen Laien, der nur aus Freude am gemeinsamen Musizieren Mitglied in Chor oder Orchester war, sogar später ein Profi im nationalen oder internationalen Musikgeschäft.

Über viele Jahre hinweg war Heinz Koehler, der spätere Konrektor der Hauptschule, Motor und Motivator von JOM und verpasste den Ensembles seine eigene Handschrift.

Dem Publikum ist von ihm sicher am deutlichsten sein Rücken in Erinnerung, den er ihm beim Dirigieren zuwandte.

2002 hat sich Koehler von der aktuellen Arbeit in Chor und Orchester zurückgezogen.

Heinrich Bunzendahl trat seine Nachfolge als musikalischer Leiter an. Seit 1980 bereits JOM-Mitglied, hatte der studierte Schulmusiker Koehler schon sehr lange unterstützt.

Werkauswahl, Probenarbeit und Dirigat der Orchesterauftritte lagen fast ausschließlich in seinen Händen.

Viele Stücke arrangierte er speziell neu für das Jugendorchester.

Unter Bunzendahl wagten sich Chor und Orchester auch an Werke neuerer und unbekannter Komponisten

Nach seinem Ausscheiden fungierte der Göttinger Kantor Alexander Kuhlo, bis zu seinem beruflich bedingten Ausstieg, zwei Jahre lang als musikalischer Leiter.

Ungezählte andere Menschen haben neben den jeweiligen musikalischen Leitern in dem jahrzehntelangen Bestehen von JOM das kulturelle Leben in unserer Stadt ebenso geprägt und mitgestaltet.

Sechs Jahrzehnte lang fanden für Chor und Orchester allwöchtlich Proben statt.

Bereits 1953 wurde im damals erstmalig gewählten Orchesterrat eine Orchesterordnung aufgestellt, die z.B. die Pflicht zum Probenbesuch, Teilnahme an Konzerten, Übernahme von organisatorischen Arbeiten u.v.m. regelte. In erweiterter Form bildet sie bis heute eine der Grundlagen für das musikalische Wirken der Ensembles.

Der Lohn aller harten Probenarbeit im Bemühen um hohe musikalische Qualität lag in allen Jahren in der Anerkennung durch das Publikum und dessen Applaus.

Darüber hinaus erhielten Chor und Orchester 1979 den „Paul-Dierichs-Preis“ des damaligen, gleichnamigen Herausgebers der HNA:

„…mit großem Engagement wurden hier zum Nutzen der Allgemeinheit kulturelle Werte gepflegt und gefördert.“

Heinz Koehler nimmt 1994, stellvertretend für alle seine Musiker, den „Ritterorden des belgischen Königs“ entgegen.

Diese zweithöchste Auszeichnung Belgiens wurde verliehen für besondere verdienste um die deutsch-belgische Freundschaft.

Seit 1982 schon Träger der Ehrenplakette der Stadt Hann.Münden, erhielt Heinz Koehler 1991 auch das „ Bundesverdienstkreuz am Bande.“

Der seinerzeitige Oberkreisdirektor würdigte in seiner Laudatio insbesondere Koehlers Bemühungen, mit seinen Musikern zur Verständigung zwischen den Völkern beizutragen.

 

Was in den vergangenen Jahrzehnten sowohl die Mitwirkenden von Kantorei als auch von JOM verband und bis heute verbindet, ist die Freude an der Musik, am Musizieren, der Stolz auf die eigene Leistung und auf den gemeinsam errungenen Erfolg nach einem Konzert.

Voraussetzung war und ist es noch, dass diese Musizierenden immer wieder, neben ihrer Musikalität, auch Zeit, Disziplin und Begeisterungsfähigkeit eingebracht haben.

Vom Jahr 2013 an aber werden JOM und die Kantorei St.Blasius in ihrer bisherigen Form nur noch zur musikalischen Geschichte unserer Stadt gehören.

Unter dem Kirchenmusikdirektor Detlef Renneberg, seit 2005 der Leiter der Kantorei, werden die Ensembles von JOM und der Kantorei zusammengeführt.

2012 November 

 Abschied nehmen hieß es am 18. November in der Kirche St. Blasius.

Zum letzten Mal traten der Junge Konzertchor, das Jugend-  und Kammerorchester, gemeinsam mit der Kantorei St. Blasius, unter ihren seit Jahrzehnten vertrauten Namen vor ihr heimisches Publikum.

Es wurden Ausschnitte aus drei weltberühmten Oratorien geboten: „Der Messias“ (Händel), „Das deutsche Requiem“ (Brahms) und „Die Schöpfung“ (Haydn).

Diese Werkauswahl symbolisierte Rückblick, Besinnung und Neuanfang.

Die Ensembles musizierten gemeinsam mit den Solisten Traudel Schmaderer (Sopran), Jörn Lindemann (Tenor) und Roman Tsotsalas (Bariton).

Die musikalische Leitung hatte der Kirchenmusikdirektor Detlef Renneberg inne.

Es war ein Abschied in die Zukunft: Vom neuen Jahr an werden der Junge Konzertchor, das Jugend- und Kammerorchester Münden sowie die Kantorei St. Blasius nur noch unter einem neuen und gemeinsamen Namen auftreten.

 

 

Beitrag von Edith Bonnemann-Rohr

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